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Presseartikel aus dem Reutlinger Gerneral-Anzeiger

Gesellschaft - Das 15-jährige Bestehen des Hospizes Veronika in Eningen ist mit einem Festakt gefeiert worden

Gesellschaft - Das 15-jährige Bestehen des Hospizes Veronika in Eningen ist mit einem Festakt gefeiert worden


Aufmerksamkeit für Angehörige
VON GABRIELE BIMEK


ENINGEN. Die Pflege, Betreuung und Begleitung von schwer kranken und sterbenden Menschen hat sich das Hospiz Veronika in Eningen zur Aufgabe gemacht. Ein wichtiger Aspekt ist dabei, Angehörige und Freunde mit in die Betreuung einzubeziehen und ihnen Aufmerksamkeit zu schenken. Am Samstag feierten zahlreiche Gäste das 15-jährige Bestehen dieser Einrichtung zur Sterbebegleitung in der Liebfrauenkirche mit Würdigungen, Vorträgen und Begegnung.

»Die tägliche Arbeit im Hospiz Veronika ist eine bereichernde, eine herausfordernde und eine von enormem Vertrauen begleitete«, betont Eduard Becker, Regionalleiter der Paul-Wilhelm-von-Keppler-Stiftung, die in Eningen auch die Seniorenzentren St. Elisabeth und Frère Roger betreibt. In überragender Weise unterstütze und begleite der Förderkreis diese Arbeit. »Es sind zu allererst die Gäste, die uns mit einem großen Vertrauensvorschuss ausstatten«, so Becker weiter. »Sie erwarten das Beste für sich und ihre Angehörigen. Begleitet von Mitarbeitern im Haupt- und Ehrenamt, die im Vertrauen auf ihr Können und das gute Miteinander im Team das Bestmögliche für alle erreichen wollen.«
Entlastung für Sterbende
Das Thema Angehörige sei schwierig, räumt Diplom-Pädagoge Thile Kerkovius in seinem Festvortrag »- und dann sind da noch die Angehörigen« ein. Sie bringen bisweilen die geordneten Abläufe im Hospizalltag durcheinander, nerven manchmal, stellen komische Fragen. Dabei sterben die Menschen in der Regel nicht für sich allein, sondern in ihren sozialen Bezügen - guten wie schlechten. »Den Blick nur auf Sterbende gerichtet, sind wir dann überrascht, wenn wir Angehörige wahrnehmen«, erklärt er.

Für sie sei es schwer, einfach dabeizusitzen, nichts tun zu können. Sie überspielten die eigene Hilflosigkeit zum Beispiel damit, Essen zu besorgen, Medikamente zusammenzustellen. »Präsenz ist gefragt, ohne Aktionismus, den Blick auf die Beziehung gerichtet«, stellt Kerkovius in den Raum. Wenn es gelinge, Panik, Aufgeregtheit und Verzweiflung bei den Angehörigen zu verringern, wenn sie gelassener würden, könne das für den sterbenden Menschen eine wichtige Hilfe und Entlastung sein. Daher gelte es, sich ernsthaft auch um die Angehörigen zu kümmern.

Dass insbesondere in den ersten Tagen die Wahrnehmung sowohl des Gastes wie der Familien geschärft ist, darauf weist Ulrich Hufnagel hin. Sie achteten darauf: »Wie wird mir begegnet, wie gehen die Mitarbeitenden miteinander um?« Der Hospizleiter betont, dass die Pflegenden alles unternähmen, um die Integrität der Kranken zu erhalten, ihre Würde zu wahren und zu schützen, auch wenn die körperliche Kraft abnehme und Selbstständigkeit verloren gehe. Er hob das große Engagement der Ehrenamtlichen hervor, die »in ihrer individuellen Unterschiedlichkeit eine verbindende, gemeinsame Haltung der Zugewandtheit, Freundlichkeit und Offenheit leben«.
Bewusstseinswandel
Dass diese »echte Teamarbeit« wertgeschätzt werde, sieht Andreas Bauer, Sozialdezernent des Landkreises Reutlingen, im großen Interesse an der Veranstaltung zum 15-Jahr-Fest bestätigt. Die Hospizarbeit leiste einen wichtigen Beitrag zum Bewusstseinswandel in der Gesellschaft und mache deutlich, »dass Sterben Teil des Lebens ist und dass für den Erhalt von Lebensqualität bis zuletzt entscheidend ist, wie diese Lebensphase gestaltet und begleitet wird«.

Die gesellschaftliche Wahrnehmung und Diskussion um Sterben und Tod habe sich verändert. Es sei kein Tabuthema mehr, stellt Alfons Maurer fest. In den vergangenen Jahren seien auf Bundes- und Landesebene, in Kirchen und Verbänden vielfältige Erklärungen, Chartas und Konzeptionen entstanden. Diese wirken sich sehr hilfreich für die ambulante und stationäre Hospizarbeit aus, so der Vorstand der Paul-Wilhelm-von-Keppler-Stiftung. »Ein solches Hospiz Veronika konnte nur entstehen und auf den Weg gebracht werden, weil es viele Menschen und Institutionen gab, die es wollten und die sich einsetzten und einbrachten.« Daraus habe sich ein Netzwerk gebildet, das bis heute den tragenden Boden und Rahmen für die alltägliche Hospizarbeit bereitstellt.

Pfarrer Roland Knäbler brachte in sein Abschlussgebet ein, dass es einen Punkt im Leben gibt, an dem sich das gesamte Leben reduziert auf die Begegnung mit dem Ende des Lebens. Musikalisch haben die »DieSonanten« aus Tübingen den Festabend bereichert. An den Festabend schloss sich ein Empfang an. (GEA)

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